Stillstand-oder-Entwicklung

Fritz, Niemeyer, Steffen und Jahr: Ein stimmiges Konzept oder zu viel Harmonie?

Stillstand oder Entwicklung? Diese Alternativen sollte der Verein kennen

Sportlicher Erfolg im Profifußball ist längst kein Zufallsprodukt mehr. Er ist das Ergebnis klarer Strukturen, einer durchdachten Kaderplanung und einer gemeinsamen sportlichen Idee. Genau hier setzt die sportliche Führung an.

Mit Clemens Fritz, Peter Niemeyer, Johannes Jahns und Trainer Horst Steffen setzt der Verein aktuell auf ein Modell aus Vereinsnähe, analytischer Kaderplanung und einer klaren gewünschten spielerischen Philosophie. Doch wie gut funktioniert in der Praxis dieses Quartett wirklich – und welche Alternativen gäbe es auf den jeweiligen Positionen?

Das Führungsmodell Fritz – Niemeyer und Jahns – Steffen

Die sportliche Führung verteilt sich derzeit auf vier Schultern. Clemens Fritz steht als Hauptverantwortlicher sportlicher Leiter für die Verbindung zwischen Verein, Mannschaft und Öffentlichkeit. Peter Niemeyer und Johannes Jahns verantworteten die strategische Kaderplanung und die Leitung der aktuellen Scouting-Abteilung, während Horst Steffen als Trainer die sportliche Idee auf dem Platz umgesetzt hat.

Dieses Modell lebt von klarer Kommunikation und kurzen Entscheidungswegen. Gleichzeitig birgt es das Risiko, dass Verantwortlichkeiten verschwimmen – insbesondere dann, wenn sportliche Ergebnisse ausbleiben.

Clemens Fritz – Nähe als Stärke und Risiko

Rolle & Wirkung

Der gebürtige Erfurter verkörpert als ehemaliger Spieler sowohl die sportliche als auch die grünweiße Mentalität des Vereins wie kein anderer. Als ehemaliger Profi sind ihm die Strukturen, Erwartungshaltungen und das Umfeld des SV Werder Bremen bis ins Detail bekannt. Diese Nähe sorgt für Vertrauen – sowohl innerhalb der Mannschaft als auch bei Fans und Medien.

Stärken

Seine größte Stärke ist gleichzeitig sein Alleinstellungsmerkmal: Fritz steht für Kontinuität und Vereinsnähe. Entscheidungen werden sachlich kommuniziert, die Außendarstellung wirkt ruhig und geschlossen.

Kritik & Alternativen

Doch genau diese Nähe kann auch zum Problem werden. In Phasen sportlicher Stagnation braucht es manchmal Distanz und einen unverstellten Blick von außen. Eine Alternative wäre ein externer Sportdirektor mit breiter Erfahrung, der unpopuläre Entscheidungen im Sinne des Vereins trifft. Denkbar wäre auch eine Doppelstruktur, in der Fritz weiterhin die Vereinsidentität repräsentiert, während ein erfahrener Manager die operative Verantwortung übernimmt.

Mögliche Kandidaten, die aktuell sind:

Oliver Ruhnert

Sollte der Verein einen externen Impuls suchen, wäre ein erfahrener Manager wie Oliver Ruhnert eine denkbare Alternative, der für Ordnung, klare Prozesse und eine realistische sportliche Zielsetzung steht. Er war zuletzt für Union Berlin tätig.

Per Mertesacker

Per Mertesacker bringt als ehemaliger Nationalspieler und Leiter der Arsenal Academy viel Führungsstärke, Strukturverständnis und Erfahrung in der Nachwuchsentwicklung mit. Für operative Profi-Transfers und Kaderentscheidungen wäre jedoch ergänzende Expertise nötig.

Michael Reschke

Michael Reschke bringt langjährige Erfahrung in Kaderplanung, Scouting und Transfers mit und ist für seine strukturierte, analytische Herangehensweise bekannt. Er eignet sich besonders für Vereine, die auf professionelle Organisation und klare Entscheidungsprozesse setzen.

Peter Niemeyer und Johannes Jahns – Architekten des Kaders

Johannes Jahns und Peter Niemeyer stehen für einen moderneren Ansatz in der Kaderplanung. Hierbei spielen vor allem Daten, Marktanalysen und Entwicklungspotenziale eine größere Rolle als große Namen. Was für einen Verein wie Werder, der wirtschaftlich agieren muss, durchaus passen kann.

Entscheidend ist jedoch, wie klar ihre Rolle definiert ist. Können sie langfristige Kaderideen gegen kurzfristige sportliche Zwänge durchsetzen? Alternativ wäre hier ein stärker international ausgerichteter Kaderplaner denkbar, der neue Märkte erschließt – oder eine noch engere Verzahnung mit dem Cheftrainer, um den Kader vollständig auf dessen Spielidee auszurichten.

Auch hierbei würden Kandidaten wie Oliver Ruhnert sowie Michael Reschke gut ins Profil passen.

Horst Steffen – Trainer mit klarer Handschrift

Horst Steffen steht für eine klare spielerische Idee: strukturierter Ballbesitz, mutiges Aufbauspiel und die konsequente Entwicklung junger Spieler. Diese Handschrift ist erkennbar – und genau das ist im modernen Fußball ein wichtiger Faktor.

Die zentrale Frage lautet jedoch: Trägt diese Philosophie auch in schwierigen Phasen? Sollte der sportliche Erfolg ausbleiben, wäre ein pragmatischer, ergebnisorientierter Trainer eine naheliegende Alternative. Ebenso denkbar wäre ein jüngerer, noch experimentierfreudiger Coach, der den eingeschlagenen Weg weiterentwickelt. Die dritte Alternative wäre ein sogenannter Feuerwehrmann, der aufgrund seiner Erfahrung in der 1. Liga Werder vor dem drohenden Abstieg in die 2. Liga bewahren kann.

Pragmatischer, ergebnisorientierter Trainer

Bo Svensson:

Bo Svensson steht für einen klar strukturierten, defensiv stabilen Fußball und eine hohe Intensität gegen den Ball. Er gilt als Trainer, der Mannschaften schnell organisiert und auf Ergebnisstabilität ausrichtet.

Christoph Dabrowski:

Christoph Dabrowski steht ohne Vertrag und kann als pragmatischer Coach mit Fokus auf Ordnung und Effizienz im Spiel gesehen werden.

Domenico Tedesco:

Domenico Tedesco ist nach Stationen im Ausland derzeit vereinslos und besitzt Erfahrung im Umgang mit Drucksituationen in der Bundesliga.

Ralph Hasenhüttl:

Ralph Hasenhüttl ist aktuell ohne Verein und hat in der Bundesliga sowie in England bewiesen, dass er seine Teams defensiv stabil und ergebnisorientiert ausrichten kann.

Jüngerer, noch experimentierfreudiger Coach

Edin Terzić:

Edin Terzić hat Borussia Dortmund als Cheftrainer zum DFB-Pokalsieg geführt und das Team bis ins Champions-League-Finale begleitet, wodurch er Top-Erfahrung auf höchstem Niveau mitbringt. Seit seinem Abschied im Sommer 2024 ist er vereinslos und offen für eine neue Herausforderung, was ihn zu einer spannenden Option für ambitionierte Vereine macht.

Andy Herzog:

Andreas Herzog, ÖFB-Rekordspieler und erfahrener Trainer, war zuletzt Co-Trainer der südkoreanischen Nationalmannschaft. Nach seiner Entlassung ist er derzeit vereinslos und damit theoretisch für eine neue Aufgabe im Profifußball verfügbar.

Jon Dahl Tomasson:

Jon Dahl Tomasson, ehemaliger dänischer Nationalspieler und erfahrener Trainer, war zuletzt Cheftrainer der schwedischen Nationalmannschaft und bringt internationale Erfahrung sowie moderne, flexible Taktik mit. Nach seiner Entlassung im Oktober 2025 ist er derzeit vereinslos und damit theoretisch für neue Aufgaben im Profifußball verfügbar.

Feuerwehrmann

Friedhelm Funkel:

Funkel gilt als klassischer Feuerwehrmann: ruhig, erfahren im Abstiegskampf und in der Lage, verunsicherte Teams sofort zu stabilisieren. Er ist aktuell vereinslos und hat zuletzt mehrfach Mannschaften in kritischen Phasen geführt.

Dieter Hecking:

Dieter Hecking ist ein erfahrener Krisencoach, der mehrfach Teams in schwierigen Phasen stabilisiert hat und dabei auf defensive Organisation und klare Strukturen setzt. Nach seiner Entlassung beim VfL Bochum im Herbst 2025 ist er vereinslos und somit als kurzfristig einsetzbare „Feuerwehrmann“-Option denkbar, auch wenn er weniger für kreative Offensivexperimente steht.

Bruno Labbadia:

Bruno Labbadia ist ein erfahrener Bundesliga-Trainer, der mehrfach Mannschaften in schwierigen Situationen stabilisiert und für pragmatische, zielorientierte Fußballarbeit bekannt ist. Nach seinem letzten Engagement beim VfB Stuttgart ist er derzeit vereinslos und damit als kurzfristig einsetzbare „Feuerwehrmann“-Option verfügbar.

Peter Neururer:

Peter Neururer ist ein erfahrener deutscher Trainer, der über Jahrzehnte viele Teams in der Bundesliga und 2. Liga betreute und für seine direkte, pragmatische Art bekannt ist. Aktuell hat er jedoch seine aktive Trainerkarriere beendet und steht daher nicht als verfügbare „Feuerwehrmann“-Option zur Verfügung.

Werderlösung

Cédric Makiadi:

Cédric Makiadi ist seit 2023 Trainer der U19 von Werder Bremen und gewann 2025 mit seinem Team den DFB-Pokal der Junioren, was seine Fähigkeiten in der Talententwicklung und Teamführung unterstreicht. Obwohl er den Verein und viele Spieler gut kennt, verfügt er bislang über keine Erfahrung als Profi-Cheftrainer, sodass ein sofortiger Einsatz in der ersten Mannschaft ein Risiko darstellen würde.

Thomas Wolter:

Thomas Wolter ist langjähriger sportlicher Leiter im Werder-Leistungszentrum und kennt den Jugend- und U23-Bereich sowie viele Talente des Vereins in- und auswendig. Seit der Winterpause 2025/26 übernimmt er zusätzlich das Traineramt der U23 und zeigt dadurch, dass er auch in Übergangsphasen als verlässliche interne Lösung funktionieren kann.

Friederike Kromp:

Friederike Kromp ist seit 2025 Trainerin der Werder-Frauen in der Frauen-Bundesliga und bringt umfangreiche Erfahrung aus der Nachwuchsarbeit sowie als ehemalige U17-Nationaltrainerin mit. Sie ist bekannt für ihre strukturierte, entwicklungsorientierte Arbeitsweise und ihre Fähigkeit, Talente gezielt zu fördern.

Thomas Schaaf:

Thomas Schaaf ist eine Vereinslegende bei Werder Bremen, war über 20 Jahre als Profi- und später als Cheftrainer aktiv und führte die Mannschaft unter anderem zum Meistertitel 2004 sowie zum DFB-Pokalsieg. Obwohl er aktuell nicht als aktiver Trainer tätig ist, bringt er enorme Erfahrung, Führungsstärke und ein tiefes Verständnis für Vereinsstrukturen mit, wodurch er als interne Berater- oder Übergangslösung gelten könnte.

Fazit:

Das aktuelle Führungsmodell setzt klar auf Kontinuität und Entwicklung. Fritz, Jahns, Niemeyer und Steffen verfolgen eine gemeinsame Idee – ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Ob dieses Modell langfristig erfolgreich ist, hängt weniger von Namen als von der Bereitschaft ab, sich selbst zu hinterfragen. Alternativen gibt es auf allen Ebenen. Die entscheidende Frage bleibt: Will der Verein Stabilität um jeden Preis – oder ist er bereit, im richtigen Moment neue Impulse zuzulassen? Unserer Meinung nach ist Horst Steffen das kleinere Problem. Will man aber nachhaltige und sinnvolle Änderungen vollziehen, wäre es wichtig, dass man nicht nur einen neuen Trainer verpflichtet, sondern sich auch auf sportlicher Führungsebene neu und mit mehr Fachkompetenz aufstellt.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Tine

    Super geschrieben!!!!

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