VAR

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Heute der VAR: Wie VAR das noch!

Beginnen wollen wir heute mit dem kategorischen Imperativ des Trainer Urgesteins Otto Rehhagel, der einst sagte: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz!“ Nach diesem stellt sich uns die Frage, kann man eine Entscheidung abseits vom eigentlichen Spielgeschehen auf dem Platz treffen oder beurteilen.

VAR ist die englische Kurzfassung für Video Assistant Referee. Der im Fußball dabei helfen soll, den spielleitenden Schiedsrichter auf Fehlentscheidungen hinzuweisen. Das heißt im Klartext dient der Videobeweis, wie er in Deutschland auch bezeichnet wird zur Unterstützung und Verbesserung des Hauptschiedsrichters bei seinen Entscheidungen.

Der VAR wurde ursprünglich dazu eingeführt, um grobe Fehlentscheidungen seitens des 1. Offiziellen zu unterbinden. Zu dieser Entscheidung führten unter anderem folgende Beispiele:

Fall 1: Im DFB-Pokalfinale vom 17. Mai 2014 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München kam es zu einer heiß diskutierten Fehlentscheidung. Dortmunds Verteidiger Mats Hummels traf zum vermeintlichen 1:0 für seine Mannschaft, der Ball überquerte vollständig die Linie, wurde aber von Bayerns Spieler Dante zurück ins Spielfeld geschlagen. Der Schiedsrichter Florian Meyer ließ das Spiel weiterlaufen, welches schließlich 2:0 n. V. für Bayern München endete. Diese Tatsachenentscheidung zuungunsten Dortmunds befeuerte erneut die Diskussion um die Einführung des Videobeweises, der zwei Monate zuvor nach Abstimmung von den Vereinen der Bundesliga als auch der 2. Liga mehrheitlich u. a. aus Kostengründen abgelehnt worden war.

Fall 2: Bei einem Bundesligaspiel im Oktober 2013 flog ein von Stefan Kießling geschossener Ball seitlich durch ein Loch im Netz ins Tor; der Schiedsrichter erkannte fälschlicherweise den Treffer an (Phantomtor).

Situationen, in denen der Videoschiedsrichter eingreifen kann:

1.   Torerzielung: Jedes erzielte Tor wird von dem VAR auf folgende Gesichtspunkte überprüft:

–         Abseitsstellung: Hier wird überprüft, ob der Torschütze beim Erzielen des Tores im Abseits steht oder davor aus dem Abseits kommt.

–         Foul: Hier wird überprüft, ob direkt vor oder bei der Torerzielung ein regelwidriges Verhalten (Abstützen beim Gegner oder Wegdrücken des Gegenspielers) vorliegt.

–         Handspiel: Hier wird geprüft, ob bei der Torerzielung die Hand oder das Handgelenk in irgendeiner Form egal ob Absicht oder nicht an der Torentstehung maßgebend beteiligt war.

–         Anderes regelwidriges Verhalten: Hier wird geprüft, ob der Torschütze sich bei der Torerzielung oder im Vorfeld einen Vorteil unfair erarbeitet hat.

2.       Strafstoß /Elfmeter: Hier bei kann der VAR ein greifen, wenn der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung im punkto Elfmeter getroffen hat. Auch kann er eingreifen, wenn ein Strafstoß nicht geahndet wurde. Er mach den Hauptschiedsrichter dann auf diese Punkte aufmerksam.

3.       Rote Karte: Auch hierbei kann der Videoschiedsrichter eingreifen, wenn eine Rote Karte falsch oder gar nicht geahndet wurde.

4.       Verwechslung eines Spielers: Gibt der Platzschiedsrichter bei der Vergabe einer Roten Karte, Gelben Karte oder Gelb/Roten Karte den falschen Spieler die Karte, so sollte der VAR auch eingreifen.

In allen 4 Fällen muss dennoch folgende Voraussetzung gegeben sein: Die Entscheidung des Platzschiedsrichters muss als klar falsch definiert werden können, damit der Kölner Keller eine Berechtigung hat, in den Spielverlauf einzugreifen. Ist eine falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters also nicht gegeben, dann darf er auch eingreifen. Somit kann man sage, der VAR ist nicht dazu da, ein besseres Urteil zu treffen. Deshalb wird es in Zukunft auch immer wieder strittige Entscheidungen geben, die sich nicht klären lassen.

Wer fungiert als Video-Assistent?

In den höchsten beiden Spielklassen (1. Bundesliga und 2. Bundesliga) stehen auf der Video-Assistenten-Liste neben den Schiedsrichtern der 1. Und 2. Liga (DFB Schiri GmbH) auch Unparteiische mit Erfahrung, die ihren aktiven Dienst auf dem Rasen bereits beendet haben. Eingesetzt werden als Assistent-Video-Assistenten (AVA) aktive und ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter-Assistenten und Schiedsrichter der 2. und 3. Liga. Alle Referees, die als AVA arbeiten, haben bereits umfangreiche Schulungsmaßnahmen absolviert und sind hierfür durch das zuständige International Football Association Board (IFAB) und der FIFA anerkannt.

Wo verfolgen die Video-Assistenten die Spiele?

Der Hauptsitz Video-Assist-Center (VAC) ist in Köln im alten Produktionsgebäude des Fernsehsenders RTL. Hier arbeiten Video-Assistenten zentral. Im VAC existiert die Möglichkeit, bis zu 10 Spiele parallel zu betreuen, das heißt, je ein Video-Assistenten-Team verfolg eine Partie. Ein Team besteht aus 4 Mitglieder. Auch einige internationalen Ligen verfolgen diese zentrale Lösung. Der Vorteil dieser zentralen Stelle soll die große technische Sicherheit sein.

Wer trifft die Entscheidung?

Der Schiedsrichter auf dem Platz hat weiterhin das letzte Wort. Das bedeutet, der VAR ist kein Ober-Schiedsrichter. Man sollte ihn eher als Erweiterung des Schiedsrichterteams zur Fehlerminimierung sehen. Jeder der einzelne Video-Assistent hat jeweils einen AVA und einen genauer gesagt in der Bundesliga zwei Operatoren an der Arbeitsstation. Den Operatoren oder auch Techniker genannt, fällt eine entscheidende und wichtige Aufgabe zu. So ist ihre Aufgabe möglichst schnell Bildermaterial, das aus den Stadien geliefert wird, die ausschlaggebenden Spielszenen aufzubereiten und dem VAR-Team als Entscheidungsgrundlage dann bereitzustellen.

Welche Kameras im Stadion kann der Video-Assistent nutzen?

Eine der vielen Fragen von euch, die uns erreicht haben, ist die Frage, auf welche Kameraperspektiven im Stadion kann der Video-Assistent zurückgreifen. Hierbei kann er auf alle für die Übertragung produzierten Bilder und im anderen Fall Videomaterial zurückgreifen. Für die weltweiten Fernsehbilder der ersten und zweiten Bundesliga ist die Tochtergesellschaft der DFL (Sportcast GmbH) verantwortlich. In der Regel werden die Aufnahmen bei Bundesligaspielen von 19 bis 21 Kameras zurate gezogen. Seit der Saison 2022/22 kommen zu den oben genannten Kameras sieben zusätzliche Kameras für die Torlinientechnik pro Torseite zum Einsatz. In der zweiten höchsten deutschen Spielklasse kommen dann 7 – 11 Kameras zum Einsatz. Auch wenn einem dieses im Vergleich zur ersten Bundesliga ziemlich gering vorkommt, kann hier trotzdem noch eine hohe Qualität gewährleistet werden. Denn in einigen anderen europäischen Topligen kommen deutlich weniger Kameras zum Einsatz. Bei unseren Nachbarn aus der Alpenrepublik liegt die Anzahl der Kameras bei 5 – 11. Die Mindestanzahl, der alle beteiligten europäischen Länder folgeleisten müssen, sind laut der IFAB (International Football Association Board) mindestens 4 Kameras.

Wie kommuniziert der Schiedsrichter auf dem Spielfeld mit dem Video-Assistenten?

Hier nutzt der Schiedsrichter auf dem Platz die Möglichkeit, über sein Headset durch Funkübertragung mit dem VAR 4. Offiziellen oder auch den Schiedsrichterassistenten in Kontakt zu treten.

Wer kann den Kontakt einleiten?

Sowohl vom Hauptschiedsrichter als auch vom Videoschiedsrichter kann der Kontakt ausgehen. Wenn einer Partei etwas unklar ist.

Wie viel Zeit darf die Klärung einer Situation in Anspruch nehmen?

Dieses müsste man an dem jeweiligen Streitpunkt spontan aus machen, deswegen hat man keine Zeit ausgemacht. Allerdings gilt es die Entscheidung immer so schnell wie möglich zu treffen, wobei natürlich die richtige Entscheidungsfindung im Mittelpunkt stehen sollte. So dauert ein VAR-Entschluss in der Saison 2021/22 durchschnittlich 74 Sekunden, was im Internationalen schon gut sein soll.

Kann der Schiedsrichter auf dem Platz eine Szene selbst noch einmal in einer Wiederholung anschauen?

Dem Hauptschiedsrichter steht in der Review-Area die Möglichkeit zu, sich strittige Spielsituation noch mal optisch und im Detail auf dem Video-Monitor anzuschauen. Hierbei wird dem 1. Schiedsrichter die Kameraszene gezeigt, die der Videoschiedsrichter bei der Bewertung berücksichtigt hat.

Können die beiden Mannschaften die Überprüfung einer Spielsituation anfordern, vergleichbar der “Challenge” beim Tennis?

Nein, diese Möglichkeit besteht nicht, da sie schon bei der Testphase 2015 vom IFAB (International Football Association Board) nicht zu gelassen wurde.

Ein Grund dafür ist: Dass die beiden teilnehmenden Mannschaften jeweils ein bis zwei Mal die Chance hätten, diesen optischen Spielbeweis in der Partie einzufordern, sodass sich dadurch das Spiel zu sehr in die Länge ziehen würde.

Wie werden die Fans informiert?

Seit der Saison 2018/19, in der die Sichtbarkeit der laufenden Videoüberprüfung für den Zuschauer erhöht wurde, wurde dem jeweiligen Heimklub aus der Kölner Zentrale Textbausteine zur Verfügung gestellt, die allerdings nur bei tatsächlicher Begutachtung den Stadionzuschauern auf den Leinwänden gezeigt werden. Diese sollen die Gründe für Überprüfung und das getroffene Ergebnis verständlicher machen. Von diesen Textbausteinen gibt es ca. 100 Varianten.

Für den Fall, dass sich der Feldschiedsrichter etwas in der Review-Area anschauen möchte, so zeichnet er mit beiden Händen den Umriss eins TV-Bildschirmes in der Luft. Außerdem werden die Fans im Stadion im Voraus durch das Video-Assist-Logo auf der Stadionleinwand über die Überprüfung informiert. Für den TV-Zuschauer wird seit der Saison 2019/20 während der Videoüberprüfung ein 3er-Splitt eingeblendet, indem man unter anderem auch das gleiche Signal sieht, welches auch der Schiedsrichter auf seinem Bildschirm sieht. Dieses soll dazu dienen den Entscheidungsprozess nachvollziehbarer machen.

Fazit

Die große Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist hat der VAR eine Zukunft? Nimmt man die Vereinsbrillen ab und arbeitet an den Nachteilen, kann der VAR durchaus Sinn machen:

Vorteile:

– Minimierung der von dem Feldschiedsrichter gemachten Fehler.

– Bessere Nachverfolgung der Unsportlichkeit.

– Feststellung durch die Torlinientechnik, ob der Ball im vollen Umfang hinter der Linie war.

Nachteile:

– Fehlende Transparenz bei den Entscheidungen

– Die langen Wartezeiten

– Und die Sinnhaftigkeit

Wir hoffen, dass wir für euch ein bisschen Klarheit in die schwierige Thematik des VAR gebracht haben!

LGW

Tuddi und Flo

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